Marina Baranova - Klavierabend

Veranstaltung St. Martinskirche, An der Martinskirche 15, 30449 Hannover, 01. November 2025

"Ein bewegender Klavierabend, der über das Übliche hinausgeht"

White Letters & Stars of Mendelssohn - Klavierkonzert in St. Martin

Am 01.11.2025, 18:00 Uhr

Konzertprogramm: White Letters & The Star of Mendelssohn

Biografie Marina Baranova

Als Tochter eines Pianisten-Ehepaares im ukrainischen Charkiw geboren, machte Marina Baranova früh Bekanntschaft mit dem Klavier. In der elterlichen Wohnung wurde darauf nicht nur geübt und unterrichtet, sondern auch komponiert und fantasiert. Sämtliche Facetten ihrer heutigen Berufung als Pianistin, Komponistin und Improvisatorin wurden ihr so gewissermaßen in die Wiege gelegt.

Schon vor Beginn ihrer eigentlichen Ausbildung im Alter von fünf Jahren zeigte Marina Baranova erstaunliches Improvisations-Talent, auch erste Kompositionsversuche stammen aus dieser Zeit. Ein gründlicher Unterricht nach den Idealen der „Russischen Schule“ legte das Fundament für ihre überragende Pianistik, die sie im Studium bei Wladimir Krainew an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover ab Ende der 1990er-Jahre vervollkommnete. Nach einer Reihe von Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben und spektakulären Debüts mit bedeutenden Orchestern und Kammermusikpartnern erkannte sie, dass sie in einer „klassischen Pianistenkarriere“ nur einen Teil ihrer musikalischen Persönlichkeit ausschöpfen konnte. Erneut beschäftigte sie sich intensiv mit Improvisation, die nach und nach in Komponieren überging.

Ihren Einstand als Komponistin gab Marina Baranova auf dem Album Firebird – Piano Meets World Percussion, aufgenommen 2013 gemeinsam mit dem Schlagzeuger Murat Coşkun. Bis heute ist ihre von Klassik, Jazz, Minimal Music und der Fähigkeit zur Synästhesie beeinflusste Musik auf sechs weiteren sehr erfolgreichen Alben zu hören – häufig im Dialog mit anderen Komponisten wie auf Hypersuites (2015) oder Unfolding Debussy (2017) oder in einem ideellen Austausch mit dem Publikum, der sie auf die Idee ihres 2021 veröffentlichten Albums Atlas of imaginary places brachte. Häufig bezieht Baranova multimediale Elemente in ihre musikalische Arbeit mit ein und lotet dabei seit einigen Jahren vermehrt die Möglichkeiten der elektronischen Klangbearbeitung aus. Auf ihrem Ende 2023 erschienenen Album „Cosmic Calendar“ ist sie erstmals auch als alleinverantwortliche Produzentin in Erscheinung getreten.

Konzertplakat Marina Baranova St. MArtin 01.11.2025, 18 Uhr

White Letters

Der erste Teil des Konzertes steht ganz im Zeichen von Baranovas Album „White Letters“. Hier begegnen sich klassische Weihnachtsmelodien, ukrainische Winterweisen und jüdische Lichterfest-Klänge auf einzigartige Weise. Werke wie Ernest Blochs „Enfantines“, Debussys impressionistische Miniaturen und Chansons von Serge Yushkevitch werden von Baranovas eigenen Kompositionen und Arrangements umrahmt. Dabei schöpft sie aus ihrer Biografie: Als in der Ukraine geborene Jüdin, die das Weihnachtsfest nie selbst gefeiert hat, nimmt Baranova eine Außenperspektive ein, die sie in Musik übersetzt. Ihre Stücke wie „Carol of the Homeless Children“, „Kolyada“ oder „Homeland“ sind von einer stillen Melancholie und zugleich von Hoffnung durchdrungen. Zwischen den Noten, so wie zwischen den „weißen Buchstaben“ des Albumtitels, liegen verborgene Geschichten und Weisheiten, die Baranova mit feinem interpretatorischem Gespür hörbar macht.

The Star of Mendelssohn

Nach der Pause öffnet sich mit dem zweiten Teil des Abends eine neue Klangwelt: Baranova widmet sich Felix Mendelssohn Bartholdy – und zwar in ganz eigener Weise. Unter dem Titel „The Star of Mendelssohn“ präsentiert sie Bearbeitungen und Neukompositionen, die Mendelssohns Musik in einen zeitgenössischen, festlichen Kontext stellen. Mendelssohns Dualität – tief in der deutschen Romantik verwurzelt, von Bach und Beethoven inspiriert, aber auch geprägt von seinem jüdischen Erbe – wird in Baranovas Arrangements zu einer Brücke zwischen den Kulturen. Besonders eindrucksvoll ist ihre pianistische Re-Komposition von Mendelssohns „Sommernachtstraum“, der als „Midwinter Night’s Dream“ eine winterliche, fast märchenhafte Atmosphäre entfaltet und mit bekannten Weihnachtsmelodien verwoben wird. Neben virtuosen Bearbeitungen von „Es wird ein Stern aus Jacob aufgehn“ und „Trinklied“ erklingen intime Neudeutungen der „Lieder ohne Worte“, die Baranova mit weihnachtlichen Motiven verbindet.